Warum spülen wir mit Trinkwasser wertvollen Dünger weg – und kaufen ihn später teuer zurück?

Warum spülen wir mit Trinkwasser wertvollen Dünger weg – und kaufen ihn später teuer zurück?

Die Schweiz gilt als Wasserschloss Europas. Doch Hitzesommer, längere Trockenperioden und sinkende Grundwasserstände zeigen: Wasser ist auch hierzulande keine unendliche Ressource. Gleichzeitig geraten globale Lieferketten für Düngemittel zunehmend unter Druck. Die Folge: steigende Preise, wachsende Unsicherheit – und eine Frage, die immer mehr Fachleute beschäftigt: 

Warum spülen wir täglich wertvolle Pflanzennährstoffe mit Trinkwasser in die Kanalisation, um anschliessend neuen Dünger zu produzieren, zu importieren und wieder auszubringen?

Die unterschätzte Ressource im Abwasser

Jeden Tag spülen wir wertvolle Pflanzennährstoffe mit Trinkwasser die Kanalisation hinunter.

Das klingt überraschend, ist aber Realität. Laut der Eawag stammen rund 80 % des Stickstoffs, 50 % des Phosphors und 60 % des Kaliums im häuslichen Abwasser aus unserem Urin. Genau diese Nährstoffe sind die Grundlage fast aller Düngemittel. Besonders bemerkenswert: Urin macht nur etwa 1 % des häuslichen Abwassers aus, enthält aber einen Grossteil der für Pflanzen wertvollen Nährstoffe.

Statt diese Ressourcen direkt zu nutzen, verdünnen wir sie mit Trinkwasser und entfernen sie anschliessend in Kläranlagen mit erheblichem technischem und energetischem Aufwand. Anders gesagt: Wir entsorgen heute genau jene Nährstoffe, die wir morgen als Dünger wieder einkaufen.

Wasser und Dünger werden gleichzeitig knapper

Während die Schweiz häufiger mit Trockenperioden konfrontiert wird, verschärfen geopolitische Krisen die Situation auf dem Düngemittelmarkt. Laut SRF passiert rund ein Drittel der weltweit verschifften Düngemittel die Strasse von Hormus. Handelsstörungen oder Konflikte können deshalb direkte Auswirkungen auf Verfügbarkeit und Preise haben.

Die Landwirtschaft spürt diese Entwicklung bereits. Höhere Energiepreise, unsichere Lieferketten und steigende Rohstoffkosten verteuern bereits seit der Covid-Krise die Produktion von Dünger weltweit.

Die Logiklücke im heutigen System

Das heutige System folgt einem linearen Prinzip: Nährstoffe werden produziert → verwendet → mit Trinkwasser weggespült → entfernt → erneut produziert.
Aus Sicht der Kreislaufwirtschaft ergibt das immer weniger Sinn.

Forschende von Eawag und ZHAW sehen deshalb grosses Potenzial in der Rückgewinnung von Nährstoffen aus Urin. Dadurch könnten wertvolle Ressourcen im Kreislauf gehalten, Kläranlagen entlastet und die Abhängigkeit von importierten Düngemitteln reduziert werden.

Mit FlowerPott selbst etwas verändern und Nährstoffe zurück in den Kreislauf bringen

Genau hier setzten Komposttrenntoiletten Systeme wie FlowerPott an.
Anstatt Nährstoffe als Abfall zu betrachten, kann Urin und Feststoff im eigenen Garten verwendet werden. Der Feststoff wird kompostiert zu wertvollem Humus. Der Rohstoff Urin wird mit Wasser verdünnt zum gratis Dünger. 

Die wissenschaftliche Grundlage dafür ist klar. Stickstoff, Phosphor und Kalium aus menschlichem Urin sind dieselben Nährstoffe, die Pflanzen auch aus konventionellen Düngern aufnehmen. Durch innovative Rückgewinnungskonzepte können diese Ressourcen wieder nutzbar gemacht werden – regional, ressourcenschonend und im Sinne einer echten Kreislaufwirtschaft.

Die Zukunft der Pflanzenpflege ist zirkulär

Die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte sind offensichtlich: Wasser wird wertvoller, Dünger teurer und natürliche Ressourcen begrenzter. Gleichzeitig verfügen wir bereits heute über eine bislang unterschätzte Quelle für Pflanzennährstoffe.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob wir Nährstoffe zurückgewinnen können. Die eigentliche Frage ist: Warum sollten wir weiterhin wertvolle Nährstoffe mit Trinkwasser wegspülen, wenn wir sie stattdessen sinnvoll nutzen können?

Trinkwasser sparen wäre so einfach

Jeden Tag verbrauchen wir in der Schweiz 1/3 unseres Wasserverbrauchs für die Toilettenspülung. Das klingt nicht nur nach viel, das ist es auch.

Konkret sind es 40l Wasser pro Person und Tag. Somit spült jeder in unserem Land jährlich rund 14'600 Liter Trinkwasser die Toilette hinunter . Hochgerechnet auf die gesamte Schweizer Bevölkerung kommen wir auf über 131 Milliarden Liter Trinkwasser, um menschliche Ausscheidungen wegzuspülen. Gleichzeitig enthalten diese Ausscheidungen genau jene Nährstoffe, die später als Dünger wieder eingekauft werden müssen.

131 Milliarden Liter Trinkwasser, dass sind 876 Millionen Badewannen voller Wasser oder einmal der gesamte Inhalt des Greifensees.

Die Macher hinter FlowerPott sind ein 2-Personenhaushalt. Somit haben sie in den letzten 4 Jahren immer hin 146'000 Liter Wasser gespart. Das kannst du auch.

Ideal ist eine FlowerPott Komposttrenntoilette nicht nur für den Camper oder das Tiny House, sondern kann auch als umweltfreundlicher Ansatz in den festen vier Wänden zum Einsatz kommen, denn der Garten ist dankbarer Abnehmer unserer Hinterlassenschaften. 

 


Quellen

  • Eawag – NEST Factsheet «Nährstoffrückgewinnung aus Urin» (2019)
  • ZHAW – «Urin als Dünger» (2022)
  • SRF – «Wann geht uns in der Schweiz das Wasser aus?»
  • SRF – «Warum jetzt der Dünger knapp wird»
  • Bundesamt für Umwelt (BAFU) – Wasserressourcen Schweiz
  • World Health Organization (WHO) – Guidelines on Safe Use of Excreta and Wastewater in Agriculture
  • Schweizer Bauer: https://www.sbv-usp.ch/fileadmin/user_upload/Aktuell_AGRISTAT_2022-07.pdf
  • Energie-Umwelt Schweiz, https://www.energie-umwelt.ch/haus/badezimmer/wc-spuelung

 

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